Verwaltungsgeschichte
Die Jaluit-Gesellschaft (auch Jaluit Company oder Jaluit-Gesellschaft m.b.H.) war eine deutsche Handels- und Plantagengesellschaft, die im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert in der Südsee aktiv war - vor allem auf den Marshallinseln und in anderen Teilen des damaligen deutschen Kolonialgebiets in der Südsee.
Gründung und Zweck des Gesellschaft
Die Jaluit-Gesellschaft wurde im Jahr 1887 in Hamburg gegründet; ihren Sitz hatte sie im Artushof, Große Bleichen 47-49. Anlass für ihre Entstehung war die koloniale Expansion des Deutschen Reiches in der Südsee. Bereits 1885 hatten die Marshallinseln den Status eines deutschen „Schutzgebiets erhalten. Da das Deutsche Reich jedoch zunächst keine eigene Kolonialverwaltung in dieser abgelegenen Region errichten wollte, übertrug man die wirtschaftliche Erschließung und teilweise auch die Verwaltung der Inseln einer privaten Handelsgesellschaft - der neu gegründeten Jaluit-Gesellschaft.
Die Gesellschaft entstand als Zusammenschluss mehrerer Hamburger Handelsfirmen, darunter Adolph Capelle & Co. und die Deutsche Handels- und Plantagengesellschaft der Südsee-Inseln zu Hamburg (DHPG). Ihr wurde vom Reich eine Konzession erteilt, die ihr weitreichende Rechte auf den Marshallinseln sicherte. Sie besaß damit eine Monopolstellung in der wirtschaftlichen Nutzung des Gebiets, mit der sie den Handel, insbesondere den Export von Kopra - dem getrockneten Fleisch der Kokosnuss, das zur Gewinnung von Kokosöl verwendet wird - organisieren und ausbauen sollte. Darüber hinaus betrieb sie Plantagenwirtschaft (v. a. Kokospalmen), errichtete Handelsniederlassungen und übernahm den Transport und die Verschiffung der Waren.
Neben diesen wirtschaftlichen Aufgaben erfüllte die Jaluit-Gesellschaft auch verwaltungsähnliche Funktionen. Sie war befugt, Gebühren und Zölle zu erheben, die Post zu verwalten und teilweise auch für die Aufrechterhaltung von Ordnung und Sicherheit zu sorgen. In der Praxis nahm sie damit für mehrere Jahre die Rolle einer privaten Kolonialverwaltung auf den Marshallinseln ein - vergleichbar mit den Handelskompanien anderer europäischer Kolonialmächte.
1906 wurden die Marschallinseln Teil der Kolonie Deutsch-Neuguinea, die direkte Verwaltung übernahm das Kaiserliche Gouvernement in Rabaul. Der "Vertrag zwischen dem Auswärten Amt und der Jaluit-Gesellschaft betreffend die Verwaltung des Schutzgebietes der Marschall-, Brown- und Providence-Inseln" vom 21. Januar 1888 wurde "aus politischen Gründen" zum 31. März 1906 aufgehoben. Dies war das Ergebnis diplomatischer Verhandlungen zwischen der deutschen und der britischen Regierung anlässlich einer Beschwerde der Firma Burns Philp & Co. über die Zustände auf den Marschallinseln (621-1/18, Nr. 4). Burns Philp & Co. Ltd. war eine bedeutende britisch-australische Handels- und Schifffahrtsgesellschaft, die im späten 19. und 20. Jahrhundert eine zentrale Rolle im Handel und in der Kolonialwirtschaft im Pazifikraum spielte.
Auflösung der Gesellschaft
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 begann auch das Ende der Jaluit-Gesellschaft. Die Marshallinseln wurden im September 1914 von japanischen Truppen besetzt. Dadurch verlor die Gesellschaft sämtliche Besitzungen, Handelsstationen und wirtschaftlichen Einrichtungen in der Südsee. Ihre Schiffe wurden beschlagnahmt, die Plantagen enteignet, und der gesamte Handel kam zum Erliegen. Eine Wiederaufnahme der Geschäfte nach Kriegsende war nicht mehr möglich.
Nach Kriegsende wurde das Deutsche Reich durch den Versailler Vertrag im Jahr 1919 gezwungen, alle seine Kolonien abzugeben. Die ehemaligen deutschen Südseegebiete, darunter die Marshallinseln, wurden als Mandatsgebiete des Völkerbundes unter japanische Verwaltung gestellt. Die Jaluit-Gesellschaft existierte danach nur noch auf dem Papier und wurde schließlich in den 1920er-Jahren liquidiert. Ihre verbliebenen Vermögenswerte in Deutschland wurden verkauft oder gingen an Gläubiger über.
Bedeutung der Gesellschaft
Hamburg war das Zentrum des deutschen Überseehandels; viele koloniale Gesellschaften hatten hier ihren Sitz. Die Jaluit-Gesellschaft steht dabei beispielhaft für die Verflechtung von Hamburger Handelsinteressen und deutscher Kolonialpolitik. Sie war Teil eines Netzwerks Hamburger Kaufleute, die durch Kolonialhandel Gewinne erzielten und Einfluss auf die Ausgestaltung der deutschen Kolonialpolitik nahmen. Die Gewinne aus dem Koprahandel und anderen Geschäften flossen in die Hamburger Wirtschaft und stärkten den Ruf Hamburgs als „Tor zur Welt.
Archivierungsgeschichte
Die unter den Signaturen 1 bis 3 verzeichneten Unterlagen wurden dem Staatsarchiv 1952 von Oscar Godeffroy übergeben. Die Retrokonversion dieser Daten erfolgte im Jahre 2011. Die Signaturen Nr. 4 bis 13 wurden im Jahr 2003 vom Bundesarchiv an das Staatsarchiv Hamburg abgegeben. Deren Erschließung erfolgte im Oktober 2025.
Der Bestand ist wie folgt zu zitieren: Staatsarchiv Hamburg, Best. 621-1/18 Jaluit-Gesellschaft, Nr. ... |
| Wolfgang Treue, die Jaluit-gesellschaft, in: Tradition Jg. 1962, H 2/3, S. 108 ff.; Helmut Washausen, Hamburg und die Kolonialpolitik des Deutschen Reiches 1880-1890, Hamburg 1968. Treue, Wolfgang: Die Jaluit-Gesellschaft auf den Marshall-Inseln : 1887-1914 ; ein Beitrag zur Kolonial- und Verwaltungsgeschichte in der Epoche des deutschen Kaiserreichs, Berlin 1976 |